RomanvonKoloman Mikszáth
Aus dem Ungarischen vonViktor Sziklai
Leipzig
Druck und Verlag von Philipp Reclam jun.
Jene Städte sind närrisch, welche klagen: Wir haben vielgelitten, bei uns haben die Türken ein oder zwei Jahrhundertegehaust. Wahrhaft litten jene Städte, wo weder Türkenhausten, noch Labanzen und Kurutzen,1 und welche sichaus eigner Kraft erhielten, wie zum Beispiel Kecskemét; dennwo von den kriegführenden Parteien sich die eine aufhielt,dort dominierte, plünderte nur die eine und die anderen wagtensich nicht einmal hin, wo aber keine einzige wohnte, dorthingingen alle Erdbeeren sammeln.
Eines Tages wandelte den Ofner Pascha die Laune an,ein wenig zu brandschatzen: »Mein Sohn Dervisch Beg, schreibedem Kecskeméter Richter!« Und der Brief ging sofort ab,aus dessen üppigem Stile der Ausdruck nicht fehlte: »Ihrspielt mit Euren Köpfen!«
Aber auch der Szolnoker Musta Beg ging nicht andersvor, denn er brandschatzte Czegléd, Körös, Kecskemét und dieumliegenden Dörfer. Jede gesegnete Woche warf er ihnenneue Lasten aus, indem er schrieb: »Diesen Herrenbrief solltIhr zu Pferde in jede Stadt, in jedes Dorf tragen und darnachhandeln.«
Seine Gnaden, der tapfere Herr Emerich Koháry rechnetegleichfalls auf die wohlhabenden Städte und erließ von Seiteder Kaiserlichen aus Szécsény Verordnungen, ja selbst derGácser Stuhlrichter, Seine Gnaden Herr Johann Darvaswar nicht faul, ihnen an den Leib zu gehen, wenn die Kurutzenetwas nötig hatten. Dazu kamen noch die herumschweifendentatarischen Horden und die verschiedenen Truppen,welche auf eigene Faust arbeiteten. Und mit all diesen sollteman auf freundschaftlichem Fuße leben!
In Kecskemét gab es schon damals berühmte Märkte.Was den Augen schön, dem Munde gut ist, das alles brachtendie türkischen, deutschen und ungarischen Kaufleute haufenweisehierher und der Markt hatte stets ein trauriges Ende,denn wenn er eben im besten Zuge war, erhob sich eineWolke auf der sandigen Straße, es kam der Kurutze oderder Türke, oder gar ein Haufe Labanzen sauste wie der Blitznieder und verschwand mit den wertvollsten Waren beladenwieder in einer Staubwolke.
Die bitteren Pillen aber konnte dann die wohledle Stadtverschlucken, denn hatten die Türken die Zelte geplündert, sofielen nunmehr die Labanzen mit großen Rechnungen übersie her.
Die Stadt habe ohne Verzug den Schaden der Kaufleutezu bezahlen, sonst wird gestürmt; wenn der Labanze raubte,galt es auch gleich für die armen Kecskeméter, denn dannverlangten die Kurutzen und Türken Schadenersatz für ihreKaufleute und diese Forderungen erreichten fast immer dieHöhe von tausend Goldstücken.
Vergebens seufzte der Oberrichter Johann Szücs: »Wohernehmen, woher? Das ist ja nicht das Kremnitzer Goldbergwerk;unter unseren Füßen ist ja nichts als Sand,Sand bis hinunter zur Hölle.«
Endlich ward die Sache doch unerträglich, man hielt großenRat und dann gingen die guten Leute zum Palatin, deraber nach der Erzählung des Herrn Paul Fekete sehr mißmutigwurde, als sie ihm vortrugen, daß sie eine Bitte anihn hätten.
»Verlanget nur nichts großes, denn ich gewähre es euchnicht.«
»So sehr verlangen wir nichts großes, daß uns selbstdas zu viel ist, was wir haben.«
»Valde bene, valde bene,« meinte der Palatin schmunzelnd.
»Wir bitten Eure Gnaden, uns unsere Märkte zu nehmen.«
Der Palatin dachte nach, hüstelte. »Hm, es ist kein richtigesRegime, amici, das den Leuten etwas nimmt, wovonder Nehmende keinen Vortheil hat.«
Trotzdem kam bald darnach eine Ordre von Leopold I., daßdie Kecskeméter Märk